Labor 3a: Statt den Hitzetod zu sterben, spielen wir die Szenen durch (hauptsächlich in Gedanken)

Temperaturen deutlich über 30 Grad, eine Hitzewelle, die schon seit Tagen andauert und uns mindestens noch eine weitere Woche begleiten wird – und dann mit fünfundzwanzig Leuten (davon drei Viertel sogenannte Hochaltrige): das heutige Treffen fand unter erschwerten Bedingungen statt.

Und dafür, um das Fazit mal vorwegzunehmen, ist es erstaunlich gut gelaufen!

Da die Veranstaltung wieder auf dem Wochenplan der Einrichtung als Nachmittagsangebot eingetragen war, hatten wir erneut viele Neugierige aus den Reihen der Bewohnerschaft. Sie hatten sich wohl gedacht, bevor sie sich in ihren Zimmern oder in den Wohnbereichen langweilen, können sie doch mal runter gehen und gucken, was diese Theaterleute so treiben. Viele wussten überhaupt nicht, was stattfand, waren aber dankbar, dass etwas stattfand. 

Von den Schülern waren diesmal sogar vier erschienen und davon drei, die noch bei keinem der Proben-„Labore“ waren. Das war höchst erfreulich und alle vier waren sowohl beim Erproben der Szenen wie hinterher beim Helfen sehr einsatzfreudig. Das blieb unter den Bewohnern nicht unbemerkt und von einigen Seiten waren hinterher lobende und anerkennende Worte für die Jugendlichen zu hören.

Sich bei diesen Temperaturen freiwillig in die begrenzte Räumlichkeit des abgetrennten kleinen Raumes der Cafeteria zu begeben, erforderte jedenfalls entweder Mut, Hingabe an die Sache oder einfach Ahnungslosigkeit. Die äußeren Bedingungen waren also der Art, das es schwer war, sich überhaupt auch nur zu bewegen. Viele der Anwesenden verharrten regungslos auf ihren Plätzen, schwitzen innerhalb der knappen Stunde ihre Bekleidung durch oder schliefen vor Erschöpfung ein.

Da uns das Wetter ja vorab bekannt war, konnte ein angemessener Ablauf vorbereitet werden: wir gingen unser Stück noch einmal Schritt für Schritt durch, besprachen die einzelnen Szenen und Übergänge und übten sie an einigen Stellen erneut ein. Zum ersten Mal übten wir auch Intro und Outro, also das Schiller-Zitat zu Beginn und das chinesische Sprichwort zum Schluss. Maria Braun, die Rezitatorin, schlug sich dabei wacker: unsere älteste Teilnehmerin, deutlich hitzegeplagt, raffte sich auf und zitierte fast fehlerfrei das Klassiker-Bonmot vom bösen Nachbarn und die asiatische Weisheit von den guten Nachbarn und den entfernten Verwandten. 

Als Ausgangsmaterial dienten uns dazu die Skizzen unseres Hausmeisters Johann, der offensichtlich in seinem Büdchen genügend Zeit gefunden hatte, um sie anzufertigen. Das lag vermutlich daran, dass seine Gattin Johanna dieses Mal nicht anwesend war…

Es stellte sich als Problem bzw. Hindernis heraus, dass die Lautstärke der Darsteller – gerade auch der jungen Akteure – beim Sprechen so gut wie immer viel zu leise ist. Praktisch bei jedem Dialog erscholl die Aufforderung „Lauter!“, „Man hört nichts!!“ u..ä. aus dem Publikum. Es ist tatsächlich schwer, sich daran zu erinnern – wenn man nicht gerade gestandene Pflegeheimarbeitskraft ist – dass man im Grunde beinahe schreien muss, um auch von Leuten verstanden zu werden, die weiter weg sitzen oder altersbedingte Hörprobleme haben.

Ob wir den Aufwand treiben sollten, mit Mikrofonen zu arbeiten, müssen wir wohl noch entscheiden. Abgesehen von dem lästigen Befestigen der Headsets ist es auch eine Kostenfrage – und ein zusätzliches technisches Detail, auf das zu achten ist und das fehleranfällig ist.

Aus der Requisite gibt es folgendes zu vermelden: Hausmeister Johanns Büdchen ist sichtbar aufgewertet durch einen Zeitungsstand, einen historischen Werkzeugkasten und ein unübersehbares Schild mit der Aufschrift „Dat Büdchen“. Und wäre es nicht so heiß gewesen, hätte er auch entweder den Kittel oder die Latzhose getragen, die Elisabeth Nickels Sohn Ralf dem Projekt gespendet hat! Außerdem nennen wir jezt einen. schönen Haushaltsbesen unser eigen, da die Theaterdirektion das einrichtungsspezifische Besenelend kurzerhand mit einem Einkaufstrip zum „Bauhaus“ in Elvekum beendete.

Das aufgemotzte Büdchen inspirierte Jutta Krüll aka Lenchen zu Erweiterungen ihrer Rolle als trink- und kontaktfreudige Anwohnerin unserer fiktiven Siedlung. Zuerst wollte sie am Büdchen Sekt kaufen, hatte aber kein Geld dabei, so dass Johann anschreiben musste. Dann schlug sie dem Hausmeister ein privates Treffen zwecks Umtrunk und Schnapsverkostung vor, immerhin war ja Hausmeistergattin Johanna gerade abwesend. Jedenfalls eine gute Idee, die wir auf irgendeine Weise noch einbauen könnten.

Insgesamt war das Labor 3a eine wichtige und gute Rekapitulation der bisher erarbeiteten Szenen. Natürlich fehlte uns unsere Theaterdirektorin Annie, deren professionelle Gestaltung solcher Probendurchläufe von einer anderen Kategorie ist, als wenn wir uns Skizzen von Szenen anschauen und darüber sprechen. Allerdings war dies auch angesichts der äußeren Umstände vermutlich das weisere Vorgehen. Nach einer knappen Stunde beendeten wir die Probe und widmeten uns dem Team Building, indem wir uns in der Cafeteria verteilten und den vorbereiteten Eiskaffee zu uns nahmen.

Zum Erschrecken der Schüler war Maria Theresia Brüggen, die in der hinteren Reihe des Zuschauerbereiches saß, in ihrem Rollstuhl eingeschlafen und war auch nicht wieder wach zu kriegen. Die Hitze hatte ihr so zugesetzt, dass sie in einem beneidenswerten Tiefschlaf gefallen war. Eine kurze Prüfung ergab, dass sie nach atmete, woraufhin wir die Pflegekollegen baten, sie abzuholen und zurück in den Wohnbereich zu bringen.

Intergenerationeller Austausch nach „Labor 3a“: Von Lenchen lernen heisst für’s Leben lernen!

Als vorläufiges Feedback war aus den Reihen von Bewohnern und Schülern zu vernehmen, dass es trotz Hitze Spaß gemacht hat und dass sie insgesamt zusammen gewachsen sind und sich mehr als Gruppe oder Team fühlen. Alle sind zuversichtlich, dass wir nach den drei oder vier weiteren Proben ein schönes Theaterstück auf die Bühne bringen werden.


Aufbau/Szenenablauf (Öffnen: auf „+“ klicken)

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