Labor 4 – Die Endrunde

Letztes Treffen vor der morgigen Generalprobe unter erschwerten (räumlichen) Bedingungen: der zentrale Bereich des Cafés – den wir eigentlich, zur Vorbereitung auf Generalprobe und Aufführung, zu nutzen vorhatten – war vom monatlichen Spiele-Treff des Neusser „Lotsenpunkt“ belegt und im hinteren Angebots-Bereich fand parallel zu unserem Treffen der wöchentliche Gottesdienst statt. So probten wir wieder in unserem gewohnten kleinen Raum des Cafés, wodurch wir einige Szenen und Elemente des Stückes erst morgen unter den „richtigen“ Raumverhältnissen der Aufführung proben können.

Chefregisseurin Annie kündigte an, dass sie das Stück von vorne bis hinten – oder bis zur vorletzten Szene, eben so weit wie wir beim letzten Mal gekommen waren – durchspielen lassen und so wenig wie möglich eingreifen wollte. Das war schon mal eine erste Herausforderung, die aber von allen mutig angenommen wurde. Als Orientierung hatten wir ja die Rückprojektionen auf der Leinwand mit der Szenenabfolge.

Den Beamer bediente wieder Elias Thai, da „Max & Moritz“ (Maxi Duking und Max Messner) als Nummern-Boys gefordert waren. Das blieb allerdings nicht die einzige Aufgabe von Elias. Er musste ja auch die beiden Alterspräsidentinnen, Maria Baum und Magdalene Söldner, zu ihrem Auftritt geleiten, zur richtigen Zeit den Müllsack ins dramaturgische Geschehen werfen und bei den Szenen mit Stühlen diese auf die Bühne stellen. Teilweise sah man Elias deswegen wie ein jungen Gepard hin- und her jagen, um all seine Aufgaben zu erfüllen – wenn die marokkanische Fußballnationalmannschaft heute abend im WM-Viertelfinale ähnlich behende gegen Frankreich spielt, könnte sie eine reelle Chance aufs Halbfinale haben! Im übrigen stellte das variable Multi-Tasking keine nennenswerte Herausforderung für Wunderkind Elias dar, der bekanntlich mehrere Schulklassen übersprungen und quasi schon seinen Doktortitel in Molekularphysik und Quantenchemie so gut wie in der Tasche hat. Deswegen konnte er zwischendurch auch ganz entspannt eine Runde „Brawl Stars,“ spielen:

Wunderknabe Elias T. zwischen acht anderen Jobs: Eine Runde zocken geht immer.

Kurze Zusammenfassung des Ablaufs: Es hakelte hier und da mal mit Kleinigkeiten, ein paar Einsätze und Stichworte wurden vergessen, natürlich wurde streckenweise auch wieder zu leise gesprochen – aber abgesehen von diesen paar Mankos war es eine äußerst gelungene Probe. Außerdem proben wir ja genau zu dem Zweck, solche Hänger noch auszubügeln.

Das Stück „sitzt“ inzwischen ganz gut. Das Zwischenspiel mit den Nummern-Boys war tadellos, außer einem Tadel, den Nummern-Boy Maxi selber anzubringen hatte: er fragte, warum die beiden eigentlich anfangs vergleichsweise stockend und zögernd ihren Satz aufsagen, so als ob sie dumm wären. Die Antwort von Annie lautete, dass die Entwicklung dieses „running gag“ gerade davon lebt, dass die beiden von Mal zu Mal immer sicherer und besserer werden. Hausmeister Johann warf ein, dass der Eindruck der „Dummheit“ auch von den Darstellern selber abhängt, die ihre Rolle durchaus so spielen können, dass sie nicht wegen „Dummheit“, sondern wegen „Keine Lust aufs Auswendiglernen“ von anfangs „Ausreichend“ auf zum Schluss „Sehr gut“ kommen (wenn wir schon bei schulischen Analogien sind).

Eine kleine Auseinandersetzung gab es zwischen Miriam Jaskoda und „Max & Moritz“, die in Personalunion mit ihrer Nummernboy-Rolle auch noch die offiziellen Projektfotografen sind.

Miriam hatte den Eindruck, dass sich Maxi beim Fotografieren zu sehr auf sie konzentriert und viel zu viele Fotos von ihr geschossen hatte. Sie befürchtete wohl, dass damit irgendwelcher Unfug getrieben werden könnte.

Eine solche Möglichkeit nehmen wir – in Zeiten der blitzschnellen Verbreitung von Bildern im Internet und dem üblen Phänomen des Cyber-Mobbings – grundsätzlich ernst. Maxi konnte aber die Bedenken schnell ausräumen: er zeigte die Bilder, die er gemacht hatte und man konnte sehen, dass all seine Aufnahmen im Rahmen und in der Anzahl des für den Job Notwendigen waren.

Nebenher wurde „Dat Büdchen“ massiv gepimpt: insgesamt vier Spraydosen (zwei davon wurden nachträglich in einer spontanen Beschaffungsaktion von Max und Maxi aus dem Baumarkt in Allerheiligen geholt) waren erforderlich, um aus der Kartonimprovisation ein solides Retro-Büdchen zu machen. Morgen kleben wir noch Werbezettel, Zeitungscover u.ä. an das Büdchen – und dann landet es wahrscheinlich eines Tage im Theatermuseum im Düsseldorfer Hofgarten.

Die Veranstaltung heute war intensiv, arbeitsreich (zum Glück bei erträglichen Temperaturen) und brachte durch ihre Länge – insgesamt über zwei Stunden – einige Beteiligte an ihre Grenzen: bei den Älteren machte sich körperliche Erschöpfung bemerkbar, die Jüngeren ließen streckenweise erkennen, dass ihre Aufmerksamkeitsspannen teilweise deutlich unterdurchschnittlich sind. Man versteht, warum der Lehrerberuf nicht zu den beliebtesten professionellen Betätigungen zählt. Andrerseits soll nicht unerwähnt bleiben, dass alle jugendlichen Teilnehmer früher kommen, später gehen und nach Kräften helfen.

Die verbale Leisetreterei hatten wir diesmal noch ein bißchen besser im Griff als bei den Malen zuvor. Annie hatte Bruno, den schwerhörigen Stoffhund mitgebracht, den sie hochhielt, sobald die Dialoge auf der Bühne zu leise wurden. Sie hielt ihn ziemlich oft hoch. Aber es funktionierte, und fast alle dachten auch daran, quasi zu schreien, wenn sie ihre Sätze sprachen. Dieses Thema ist wohl eines der schwierigsten bei der ganzen Theaterspielerei, weil es so schwer fällt, aus der privaten Rolle (ja, auch das ist „eine Rolle“!) in die Bühnen-Rolle zu schlüpfen und sich zu vergegenwärtigen, dass man nicht zu bzw. mit sich selbst oder nahen Freunden spricht, sondern für Publikum.

Die „Mädels unter sich“ beherzigten das laute Sprechen teilweise gut, manchmal weniger gut und der Stoffhund in Annies Hand kriegte fast Schütteltrauma, so oft wie er hoch und runter gehoben wurde. Auch Lenchen hatte ihre Schwierigkeiten mit dem lauten Sprechen, dafür war sie aber in einem bezaubernden Kostüm erschienen, und mit einem noch bezaubernderen Hütchen – ganz die mondäne alte Grand Dame, die ihren Auftritt mit rheinischen Platt und einem Gehstock unterstrich.

Die Schlußszene – die Gartenparty – dürfte diejenige sein, die es noch am intensivsten zu üben gilt: die Ausgangsaufstellung, das Durcheinandergehen und -tanzen, das Zusammenkommen in einem Halbkreis und die gemeinsame Verabschiedung, schließlich der allerletzte Satz, gesprochen in (hoffentlich) absoluter Stille von Magdalene Söldner, bei der Magdalene und Maria Baum zusammen noch einmal, begleitet von Elias, nach vorne auf die Bühne gehokt werden (beide werden auch zu Beginn, beim Einlass, im Eingangsbereich Platz nehmen und die ankommenden Zuschauer begrüßen). Die gesamte Szene müssen wir noch so einüben, dass sich ein einigermaßen harmonischer Flow ergibt und wir nicht wie die aufgescheuchten Hühner durcheinander laufen oder wie die Zinnsoldaten bewegungslos umherstehen.

Die Schluss-Szene: „Am Ende schallt es lange noch – Diakonie Stift lebe hoch!“
Abschlussbesprechung und Manöverkritik durch Chefregisseurin Annie

Nachdem alle nach Hause gegangen waren, alles beendet und alles Pulver verschossen war, bauten Marla, Annie und Kay noch die Ausstellung mit vielen der Zeichnungen und Grafiken des Hausmeisters Johann auf. Eine Einladungs-Email ging raus an die Sponsoren des Projektes; wer wann erscheint, wissen wir nicht – außer bei unserem Lieblingssponsor, der Evangelischen Kirchengemeinde Norfbach, personifiziert von niemand anderem als unserem Hauspfarrer Sebastian Appelfeller, der sich die Generalprobe am morgigen Freitag anschauen will. Damit liegt gewissermaßen Gottes Segen auf unserem Tun und wir können beruhigt in die Aufführung am Samstag gehen!