Die Generalprobe: Erfolg oder Desaster?

Geschrieben aus der Perspektive von Hausmeister Johann.

Haben wir die Feuertaufe bestanden oder nicht? Diese Frage stellt sich einem verdutzten Hausmeister Johann, der – weitgehend von seinem Büdchen aus – das Geschehen auf der Bühne und im Zuschauerraum beobachtete.

Zunächst mal hatten wir es diesmal mit ganz anderen Räumlichkeiten zu tun, nämlich mit dem Hauptbereich des Cafés, was einen ziemlich aufwändigen Umbau erforderte und natürlich für uns komplett neu war, da wir bis jetzt immer nur im kleinen Raum geprobt hatten.

Die Temperaturen waren einigermaßen erträglich, und wir sorgten für Abkühlung durch den Einsatz unseres mobilen Klimageräts (während der Aufführung selbst schalteten wir es ab, weil es doch ziemlich laut ist und die ohnehin schwierige Akustiksituation noch kompliziert hätte).

Der zweite im Vergleich zu den bisherigen Proben komplett unterschiedliche Aspekt war das Spielen vor Publikum. Etwa 20 oder 25 Bewohner und einige Gäste waren gekommen, um unserer Generalprobe beizuwohnen.

Wer gedacht hatte, dass eine Generalprobe einfach ein 1-zu-1 Vorab-Durchlauf eines Stückes ist, sah sich getäuscht, denn unsere Chefregisseurin Annie ließ zuerst mal Szene drei und Szene sechs, jedenfalls Teile davon, spielen – und sorgte somit zumindest bei dem armen Hausmeister Johann für erste Verwirrung.

Dann folgte ein Glitch dem anderen:

  • Es war nicht ganz klar, ob unsere beiden Motto-Aufsagerinnen Maria Baum und Magdalene Söldner bereits zu Beginn am Eingang sitzen sollten oder in der ersten Reihe des Publikumsraumes.
  • Bei der Szene „Lenchen und Johann halten Verzell am Büdchen“ kam plötzlich Johanna als erste auf die Bühne und und brachte den geplanten Ablauf durcheinander. Lenchen und Johann sprachen teilweise wieder zu leise und mussten mit jedem neuen Anlauf um einen Meter weiter nach vorne positioniert werden, damit das Publikum eine Chance hatte, sie zu verstehen.
  • Zwischendurch fiel im Hintergrund irgendetwas zu Boden, was erstens ziemlichen Krach machte und zweitens Elias dazu veranlasste, quer durch den Zuschauerraum zu sprinten, um irgendeine Art von Lappen zu besorgen, damit er das Malheur aufwischen konnte.
  • Dann war bei der Schlusszene die Musik zu zu leise: Johann hatte nämlich bei der Eingangsmusik (die so laut war, dass ihm vor Schreck beinah der Hut weggeflogen wäre) die General-Lautstärke der Lautsprecherbox um beinah die Hälfte reduziert und vergaß dann, die Standardregelung wieder einzustellen, so dass bei der Abschlusszene der Beatles Song „Birthday“ nicht auf die optimale Lautstärke hochgefahren werden konnte. Zudem wirkte der “Einmarsch der Gladiatoren“, also das abschließende Versammeln aller Darsteller auf der Bühne, irgendwie konfus, manchmal zu schnell, manchmal zu langsam und insgesamt reichlich unkoordiniert.
  • Bei der Titanic-Romantik-Szene fing „Oma Rose“ plötzlich an, von ihrer Reise auf der Titanic mit Jack zu erzählen, als ob sie 1912 beim Untergang der Titanic dabei gewesen wäre, so dass sich der jetzt vollends verwirrte Johann in seinem Büdchen fragte, wie sie das denn überleben konnte und wie alt sie jetzt sein müsse…
  • Zu guter Letzt vergaß Johann auch noch, den Grill hervor zu holen und die Leute mit „Bratwürsten“ zu versorgen, so dass alle laut „DER GRILL!! DER GRILL!!“ rufen mussten, um ihn daran zu erinnern

Kurzum: es war ein rechtes Desaster und machte insgesamt einen äußerst zerfahrenen und diffusen Eindruck!

Aber machte es das wirklich?

Das war die Frage, die die beiden Direktoren sich hinterher stellten. Annie verneinte es entschieden und wies daraufhin, dass die neuen Räumlichkeiten, das Spielen vor Publikum für einige Nervosität gesorgt hatte, dass insgesamt aber die Sache einigermaßen rund und keineswegs zerfahren oder abgehackt wirkte.

Immerhin machen wir ja für all diese Erfahrungen so eine Generalprobe. Auch morgen bei der Aufführung werden sicherlich noch einige Fehler und Hänger vorkommen. Aber dadurch, dass wir jetzt in den neuen Räumlichkeiten wenigstens einmal schon das Stück spielen konnten, haben wir eine gute Basis, um die Aufführung morgen glatt über die Bühne laufen zu lassen.

Die widersprüchlichen Eindrücke, die unser geplagter Hausmeister von dieser Generalprobe zunächst einmal unter seinen Hut bringen musste, glätteten sich auf einmal und glichen sich aus wie ein Waage in Balance, als es ihm wie Schuppen von den Haaren fiel, was er neben den negativen Sachen, die sich zunächst in den Vordergrund gedrängt hatten, alles an positiven Elementen wahrgenommen hatte:

  • Die “Mädels unter sich“ boten nicht nur eine passable, sondern eine hervorragende Darstellung, sprachen laut und waren als Vierer-Team eine Klasse für sich.
  • Und die Nummern-Boys „Max und Moritz“ hatten ihre Rolle so kreativ angepasst, dass nichts mehr von „ Wir sind zu doof, um uns einen Satz zu merken“ übrig blieb, sondern die beiden tatsächlich wie zwei coole, aber nicht gerade lernbeflissene Teenager wirkten, die gemeinsam versuchen, sich zu erinnern, was das für ein Satz war, den sie aufsagen sollte.
  • Sie strahlten –  ebenso wie die „Mädels“ – Souveränität und Witz aus; gelegentliche Übertreibungen bei der Betonung und dem allzu braven Inhalt ihrer Texte (Teenager sind keine Vorschulkinder, die man mit einem Eis zum Hecke schneiden motivieren kann – die wollen natürlich Geld sehen, oder andere substantielle Belohnungen) wurden von Annie on the spot aufgegriffen und in die richtige Bahn gelenkt.
  • Überhaupt war Annies Regieführung zielgerichtet und intensiv und bewirkt hoffentlich ein einigermaßen ruckelfreies Spiel bei der Aufführung morgen.
  • Auch Elias war wieder eine „Bank“; ein Darsteller und Hinter-den-Kulissen-Akteur, der mit seinen diversen Aufgaben gut zurechtkam und ein waches Auge für Ablauf und Situationserfordernisse hatte.

Fotos gibt’s wenige von heute, da wir alle mit Generalprobe beschäftigt waren und auf der Bühne waren. Max machte einen Versuch, das ganze zu filmen, aber erstens war unser improvisiertes Stativ zu wackelig und belegte einen Platz in der ersten Reihe, den immer wieder Besucher besetzen wollten und zweitens verlor sein Handy auf halber Strecke die Ladung, so dass die Sache mit der Filmaufzeichnung (jedenfalls heute) ins Wasser fiel.

Die Rückmeldungen von den Bewohnern waren übrigens durchweg eher positiv. Ihnen war klar, dass sie ein „work in progress“ sahen und dass dies nicht das fertige Stück war. WAS sie sahen, gefiel Ihnen (soweit sie es akustisch verstanden) recht gut und sie werden morgen mit Sicherheit alle wieder dabei sein.

Hier ein paar Eindrücke vom heutigen Set-up. Zum Glück können wir alles bis morgen so stehen lassen.

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Labor 3c: Mit Riesenschritten in Richtung Aufführung

Der Wetterbericht:
Mit 27 °C war es zwar um 10° kühler als im letzten Samstag, aber dennoch ein warmer Sommertag, so dass wir die meiste Zeit unsere Kältemaschine laufen ließen.

In einer Woche, am Tag der Uraufführung, werden die Temperaturen wieder deutlich über 30° klettern. Wir denken lieber nicht darüber nach, was das bedeutet und wie wir das in einem mit Publikum angefüllten Saal überstehen. Immerhin erzählt unser Stück ja von Begebenheiten in der Siedlung mitten im Sommer und nicht im Winter.

Probenablauf:
Heute war Annie wieder dabei, und damit war eine straffere, professionelle Regie gewährleistet. Oder, um es mal WM-gemäß im Fußballjargon auszudrücken: was sich unter Interimsregisseur Kay Strathus mit ein paar Aufwärm- und Lockerungsübungen zu zwei entspannten Trainingseinheiten gestaltet hatte, geriet unter Chefcoach Annie We schnell wieder zum Profi-Programm mit Waldlauf, Medizinbällen und taktischen 1-zu-1 Pressing- und Defensivübungen.

Und das tat dem Team gut! Wir gingen diesmal fast das gesamte Stück vom Intro bis zur Szene 5 durch (weiter kamen wir nicht, obwohl wir schon reichlich die veranschlagte Probendauer überzogen). Annie begutachtete die Szenen und unterbrach, wenn etwas nicht stimmig war, um das Beste aus den Darstellern herauszuholen.

Maria Baum erhielt „Geleitschutz“ bei ihrem Weg auf die Bühne, wo sie ihren Eingangssatz, das Schillerzitat vom bösen Nachbarn, rezitierte. Schon aus Gründen der Trittsicherheit bzw. Sturzgefahr wurde beschlossen, dass Elias Thai sowohl Maria Baum wie Magdalene Söldner bei ihren Eingangs- und Ausgangssätzen auf die Bühne begleitet. Auch Letztere hatte Gelegenheit, den Schlusssatz – die chinesische Weisheit vom nahen Nachbarn und den fernen Verwandten – zu deklamieren. Ehemalige Berufsschullehrerin die sie ist, sprach sie klar und hörbar und schmückte den Satz sogar noch ein bisschen aus.

Die schwierigste und gleichzeitig schönste Szene ist sicherlich die „Mädels unter sich“-Szene, wo Oma Rose, nach dem Anblick der jungen Mädchen vor dem Spiegel, sentimentale Reminiszenzen vergangener Zeiten heraufbeschwört. „Romantische Szenen und Stimmungen müssen langsam gespielt werden! Sie brauchen mehr Zeit als andere!“ erklärte uns Annie.  

Ursula Schmitz-Straer konnte sich unter Annies Regie gut in die besondere Stimmung der Situation hineindenken und brachte ohne viele Worte eine schöne, von der passenden Musik unterstützte romantische Erinnerungsszene auf die Bühne, die der Gänsehautgrenze nahe kam.

Ähnlich gingen wir bei den anderen Szenen vor. Die Darsteller wurden von Annie gleichzeitig zielgerichtet und behutsam dazu gebracht, ihre Figur und ihre Rolle so zu spielen, wie es eine Aufführung vor Zuschauern braucht.

Die Schwierigkeit, die wir dabei alle haben – und zwar egal, ob alt oder jung  – ist erstens die der Lautstärke und zweitens das langsame Sprechen.

Was das ausreden lassen bzw. das Nicht-durcheinanderquatschen betrifft, hatten wir uns im Vergleich zu den letzten Malen schon stark verbessert. 

In den jetzt noch anstehenden zwei Proben werden wir noch an unserer Intonation und unserem Volumen arbeiten – „Stellt euch vor, ihr müsst so laut rufen, dass jemand, der da drüben auf dem Balkon steht, euch hören kann!“ lautete Annies bildhafte Anweisung dazu, wobei sie auf die Gebäude gegenüber zeigte.

Dat Büdchen
Der von unserer Bühnebildverantwortlichen Alisa Meierle zusammengebastelte Pappaufsatz für den Küchenwagen – unser „Büdchen“ – weist bei näherer Betrachtung und im wiederholten Einsatz ein paar Schwachstellen auf, die es noch zu verbessern gilt: insbesondere die rückwärtigen Stützen müssen unbedingt verstärkt werden, wenn das Büdchen nicht irgendwann über Hausmeister Johann zusammenbrechen soll. Das kann keiner wollen.

Außerdem muss es seinen Karton-Look loswerden. Zu diesem Zweck soll es mit einer Spraydose eingefärbt werden. Eine kurze Befragung ergab, dass Dunkelgrün eine sehr hausmeisterliche und büdchenhafte Farbgebung sei, und es wurde beschlossen, am kommenden Donnerstag die notwendigen Maßnahmen durchzuführen.

Außerdem fehlt noch einiges von den benötigten Requisiten, die alle noch bis zum abschließenden „Labor“ und rechtzeitig zur Aufführung beschafft werden müssen, darunter so wesentliche Dinge wie die verschiedenen Getränke, die am Büdchen verkauft werden, ein geeignetes Kopftuch für Johanna, ein Retro-Netzeinkaufsbeutel, ein Gehstock und ein passendes Hütchen für Lenchen usw.

Welches Hütchen darf‘s denn sein? Lenchen im Entscheidungsdilemma.

Und: wir haben uns auf einen Namen für die Straße geeinigt, in der unsere Siedlung liegt: Diakoniestraße wird sie heißen („Stiftstraße“ erschien uns zu schwer auszusprechen).

Fazit:
Wir haben mit dem abschließenden Labor 3 einen Riesenschritt in Richtung Aufführung getan. Bis auf die letzten beiden Szenen haben wir alle live durchgespielt und arbeiten an der Optimierung. Der Ablauf hat sich den Teilnehmern inzwischen ziemlich gut eingeprägt. Wir haben festgestellt, welche Requisiten noch fehlen und welche noch erstellt oder verbessert werden müssen. Leider hat sich das „Projekt Haken-Spanndraht-Theatervorhang“ nicht so realisiert, wie wir es uns vorgestellt hatten. Vor allen Dingen aus dem Grund, dass wir in den Räumlichkeiten des Cafés nicht in die Wände oder Decken bohren dürfen. Ob und wie wir jetzt überhaupt einen Vorhang haben werden, steht in den Sternen, und die sind ziemlich weit entfernt.

Es ist festzustellen, dass die Projektbeteiligten zu einer netten kleinen Truppe, einem guten Team, zusammengewachsen sind. Obwohl von den Bewohnern inklusive Service Wohnen „nur“ vier mitmachen, auf Schülerseite ebenfalls vier oder fünf, plus Astrid Jäger als Angehörigenvertreterin und Co-Direktor Kay Strathus als Hausmeister, sind jedesmal zehn bis fünfzehn weitere Bewohner dabei – offiziell als Statisten, vor allem aber als gleichwertige Teilnehmer unseres Bühnenstückes. Für beide Seiten, jung und alt, ist es eine schöne und wertvolle Erfahrung, das entgegengesetzte Ende der Alterspyramide einmal live und in Aktion zu sehen – und dabei allerlei vorgefasste Meinungen, vielleicht auch Vorurteile, ad acta legen zu können.

Ein paar Eindrücke vom „Labor 3c“:

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Labor 3b: Überleben in der Hitzehölle und Aufstieg eines neuen bühnenbildnerischen Sterns am Theaterhimmel

Die Ausgangslage

Temperaturen seit Tagen um die 40°C! Alt und jung am Hitzelimit!
Mal wieder „der heißeste Sommer seit Erfindung des Thermometers“ oder so ähnlich! Kernschmelze in den Stammhirnen der Mehrheitsbevölkerung!!

Schon die Vorstellung, aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen, wird als Zumutung empfunden; unter diesen Umständen war es umso erstaunlicher, dass unser Labor überhaupt stattfand, diesmal allerdings mit deutlich weniger Vertretern der Pflegeeinrichtung – und dafür umso mehr Schülern! 

Die Darstellerinnen vom ServiceWohnen, Ursula Schmidt-Straer und Traudel Blasberg, hatten sich in unerschütterlicher Hingabe an die Sache auf den langen Weg aus dem dritten Stock hinunter in den Probenraum begeben und waren bereit zum Einsatz. Astrid Jäger, unsere „Johanna“, war auch zurück und wollte wieder ihren vieldiskutierten und -bewunderten Besentanz aufführen. 

Und außerdem wartete natürlich Jutta Krüll, die nichts aus der Bahn bzw. der Rolle wirft, auf ihren Auftritt als „Lenchen“. Bereits im Vorfeld war ihre Figur und deren Interaktion mit dem Hausmeister am „Büdchen“ Gegenstand von Diskussionen am Kaffeetisch. Elisabeth Nickel, Maria Kickert und Jutta Krüll diskutierten die Variante, dass „Lenchen“ Platt sprechen sollte, nachdem „Lenchen“ aka Jutta ein paar Kostproben einer authentischen Schnodderschnüss op Platt gegeben und damit selbst die erfahrenen niederrheinischen Eingeborenen Kickert und Nickel verblüfft hatte. Damit war klar, dass Lenchens Auftritt am Büdchen, ihr Dialog mit dem Hausmeister, auf jeden Fall auf Platt erfolgen würde. Jedenfalls von Lenchens Seite. Der arme Hausmeister als gebürtiger Hamburger würde zwar nicht mithalten können, aber gerade daraus könnte man ja weitere dramatische Elemente für unser Stück gewinnen.

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Labor 3a: Statt den Hitzetod zu sterben, spielen wir die Szenen durch (hauptsächlich in Gedanken)

Temperaturen deutlich über 30 Grad, eine Hitzewelle, die schon seit Tagen andauert und uns mindestens noch eine weitere Woche begleiten wird – und dann mit fünfundzwanzig Leuten (davon drei Viertel sogenannte Hochaltrige): das heutige Treffen fand unter erschwerten Bedingungen statt.

Und dafür, um das Fazit mal vorwegzunehmen, ist es erstaunlich gut gelaufen!

Da die Veranstaltung wieder auf dem Wochenplan der Einrichtung als Nachmittagsangebot eingetragen war, hatten wir erneut viele Neugierige aus den Reihen der Bewohnerschaft. Sie hatten sich wohl gedacht, bevor sie sich in ihren Zimmern oder in den Wohnbereichen langweilen, können sie doch mal runter gehen und gucken, was diese Theaterleute so treiben. Viele wussten überhaupt nicht, was stattfand, waren aber dankbar, dass etwas stattfand. 

Von den Schülern waren diesmal sogar vier erschienen und davon drei, die noch bei keinem der Proben-„Labore“ waren. Das war höchst erfreulich und alle vier waren sowohl beim Erproben der Szenen wie hinterher beim Helfen sehr einsatzfreudig. Das blieb unter den Bewohnern nicht unbemerkt und von einigen Seiten waren hinterher lobende und anerkennende Worte für die Jugendlichen zu hören.

Sich bei diesen Temperaturen freiwillig in die begrenzte Räumlichkeit des abgetrennten kleinen Raumes der Cafeteria zu begeben, erforderte jedenfalls entweder Mut, Hingabe an die Sache oder einfach Ahnungslosigkeit. Die äußeren Bedingungen waren also der Art, das es schwer war, sich überhaupt auch nur zu bewegen. Viele der Anwesenden verharrten regungslos auf ihren Plätzen, schwitzen innerhalb der knappen Stunde ihre Bekleidung durch oder schliefen vor Erschöpfung ein.

Da uns das Wetter ja vorab bekannt war, konnte ein angemessener Ablauf vorbereitet werden: wir gingen unser Stück noch einmal Schritt für Schritt durch, besprachen die einzelnen Szenen und Übergänge und übten sie an einigen Stellen erneut ein. Zum ersten Mal übten wir auch Intro und Outro, also das Schiller-Zitat zu Beginn und das chinesische Sprichwort zum Schluss. Maria Braun, die Rezitatorin, schlug sich dabei wacker: unsere älteste Teilnehmerin, deutlich hitzegeplagt, raffte sich auf und zitierte fast fehlerfrei das Klassiker-Bonmot vom bösen Nachbarn und die asiatische Weisheit von den guten Nachbarn und den entfernten Verwandten. 

Als Ausgangsmaterial dienten uns dazu die Skizzen unseres Hausmeisters Johann, der offensichtlich in seinem Büdchen genügend Zeit gefunden hatte, um sie anzufertigen. Das lag vermutlich daran, dass seine Gattin Johanna dieses Mal nicht anwesend war…

Es stellte sich als Problem bzw. Hindernis heraus, dass die Lautstärke der Darsteller – gerade auch der jungen Akteure – beim Sprechen so gut wie immer viel zu leise ist. Praktisch bei jedem Dialog erscholl die Aufforderung „Lauter!“, „Man hört nichts!!“ u..ä. aus dem Publikum. Es ist tatsächlich schwer, sich daran zu erinnern – wenn man nicht gerade gestandene Pflegeheimarbeitskraft ist – dass man im Grunde beinahe schreien muss, um auch von Leuten verstanden zu werden, die weiter weg sitzen oder altersbedingte Hörprobleme haben.

Ob wir den Aufwand treiben sollten, mit Mikrofonen zu arbeiten, müssen wir wohl noch entscheiden. Abgesehen von dem lästigen Befestigen der Headsets ist es auch eine Kostenfrage – und ein zusätzliches technisches Detail, auf das zu achten ist und das fehleranfällig ist.

Aus der Requisite gibt es folgendes zu vermelden: Hausmeister Johanns Büdchen ist sichtbar aufgewertet durch einen Zeitungsstand, einen historischen Werkzeugkasten und ein unübersehbares Schild mit der Aufschrift „Dat Büdchen“. Und wäre es nicht so heiß gewesen, hätte er auch entweder den Kittel oder die Latzhose getragen, die Elisabeth Nickels Sohn Ralf dem Projekt gespendet hat! Außerdem nennen wir jezt einen. schönen Haushaltsbesen unser eigen, da die Theaterdirektion das einrichtungsspezifische Besenelend kurzerhand mit einem Einkaufstrip zum „Bauhaus“ in Elvekum beendete.

Das aufgemotzte Büdchen inspirierte Jutta Krüll aka Lenchen zu Erweiterungen ihrer Rolle als trink- und kontaktfreudige Anwohnerin unserer fiktiven Siedlung. Zuerst wollte sie am Büdchen Sekt kaufen, hatte aber kein Geld dabei, so dass Johann anschreiben musste. Dann schlug sie dem Hausmeister ein privates Treffen zwecks Umtrunk und Schnapsverkostung vor, immerhin war ja Hausmeistergattin Johanna gerade abwesend. Jedenfalls eine gute Idee, die wir auf irgendeine Weise noch einbauen könnten.

Insgesamt war das Labor 3a eine wichtige und gute Rekapitulation der bisher erarbeiteten Szenen. Natürlich fehlte uns unsere Theaterdirektorin Annie, deren professionelle Gestaltung solcher Probendurchläufe von einer anderen Kategorie ist, als wenn wir uns Skizzen von Szenen anschauen und darüber sprechen. Allerdings war dies auch angesichts der äußeren Umstände vermutlich das weisere Vorgehen. Nach einer knappen Stunde beendeten wir die Probe und widmeten uns dem Team Building, indem wir uns in der Cafeteria verteilten und den vorbereiteten Eiskaffee zu uns nahmen.

Zum Erschrecken der Schüler war Maria Theresia Brüggen, die in der hinteren Reihe des Zuschauerbereiches saß, in ihrem Rollstuhl eingeschlafen und war auch nicht wieder wach zu kriegen. Die Hitze hatte ihr so zugesetzt, dass sie in einem beneidenswerten Tiefschlaf gefallen war. Eine kurze Prüfung ergab, dass sie nach atmete, woraufhin wir die Pflegekollegen baten, sie abzuholen und zurück in den Wohnbereich zu bringen.

Intergenerationeller Austausch nach „Labor 3a“: Von Lenchen lernen heisst für’s Leben lernen!

Als vorläufiges Feedback war aus den Reihen von Bewohnern und Schülern zu vernehmen, dass es trotz Hitze Spaß gemacht hat und dass sie insgesamt zusammen gewachsen sind und sich mehr als Gruppe oder Team fühlen. Alle sind zuversichtlich, dass wir nach den drei oder vier weiteren Proben ein schönes Theaterstück auf die Bühne bringen werden.


Aufbau/Szenenablauf (Öffnen: auf „+“ klicken)

Noch mehr Bilder von gestern:

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Labor 2: Unser namenloses Stück nimmt Gestalt an

Unsere zweite Theaterprobe, das „Labor 2“, begann mit einigen Überraschungen und unerwarteten Wendungen: zunächst mal war in der Einrichtung wohl die Kunde von der Veranstaltung so aufgenommen worden, dass dies eine offene Veranstaltung sei, es sich also um das Nachmittagsangebot im Stift handele. Dadurch hatten wir zwei oder drei Besucher – Brigitte Schmitz, Heidi Schmitz und Maria Theresia Brüggen, die noch nicht dabei waren, die aber dem ersten Eindruck nach ganz interessiert schienen. Roswitha Wimmers konnte leider nicht dabei sein, weil sie zur Zeit im Krankenhaus ist und Maria Kickert hatte Besuch von ihrer Schwester. 

Der jugendliche Teil dieses generationübergreifenden Projektes war in Person von Sophia und Maximilian erschienen – „da waren’s nur noch zwei“! Lehrer Daniel Lupo vom Gymnasium Norf, der die Verbindung zu den Schülern hergestellt hatte, schaute heute vor Beginn des Labors rein; er konnte sich auch nicht so recht erklären, warum von zehn Leuten nur noch zwei übrig geblieben sind und will noch mal bei den Betreffenden nachfragen. Falls auf diese Weise doch der eine oder andere Schüler erscheint, stellt sich allerdings die Frage, ob es sinnvoll ist, zu einem so späten Zeitpunkt des Probenablaufs noch einzusteigen. Wir warten mal den kommenden Samstag –  das Labor 3a – ab.

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