Labor 3b: Überleben in der Hitzehölle und Aufstieg eines neuen bühnenbildnerischen Sterns am Theaterhimmel

Die Ausgangslage

Temperaturen seit Tagen um die 40°C! Alt und jung am Hitzelimit!
Mal wieder „der heißeste Sommer seit Erfindung des Thermometers“ oder so ähnlich! Kernschmelze in den Stammhirnen der Mehrheitsbevölkerung!!

Schon die Vorstellung, aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen, wird als Zumutung empfunden; unter diesen Umständen war es umso erstaunlicher, dass unser Labor überhaupt stattfand, diesmal allerdings mit deutlich weniger Vertretern der Pflegeeinrichtung – und dafür umso mehr Schülern! 

Die Darstellerinnen vom ServiceWohnen, Ursula Schmidt-Straer und Traudel Blasberg, hatten sich in unerschütterlicher Hingabe an die Sache auf den langen Weg aus dem dritten Stock hinunter in den Probenraum begeben und waren bereit zum Einsatz. Astrid Jäger, unsere „Johanna“, war auch zurück und wollte wieder ihren vieldiskutierten und -bewunderten Besentanz aufführen. 

Und außerdem wartete natürlich Jutta Krüll, die nichts aus der Bahn bzw. der Rolle wirft, auf ihren Auftritt als „Lenchen“. Bereits im Vorfeld war ihre Figur und deren Interaktion mit dem Hausmeister am „Büdchen“ Gegenstand von Diskussionen am Kaffeetisch. Elisabeth Nickel, Maria Kickert und Jutta Krüll diskutierten die Variante, dass „Lenchen“ Platt sprechen sollte, nachdem „Lenchen“ aka Jutta ein paar Kostproben einer authentischen Schnodderschnüss op Platt gegeben und damit selbst die erfahrenen niederrheinischen Eingeborenen Kickert und Nickel verblüfft hatte. Damit war klar, dass Lenchens Auftritt am Büdchen, ihr Dialog mit dem Hausmeister, auf jeden Fall auf Platt erfolgen würde. Jedenfalls von Lenchens Seite. Der arme Hausmeister als gebürtiger Hamburger würde zwar nicht mithalten können, aber gerade daraus könnte man ja weitere dramatische Elemente für unser Stück gewinnen.

Der Plan

Angesichts der Umstände verzichteten wir auf anstrengende Proben und reduzierten unser „Labor“-Programm auf vier Tagesordnungspunkte:

  1. Verwaltung/Bürokratie
  2. Namensvergabe für den Hausmeisterhund
  3. Gemeinsames Rekapitulieren aller Szenen und Übergänge des Stückes
  4. Kalter Kaffee mit Sprühsahne 

Dieser Plan stieß auf allgemeine Zustimmung, weil keiner Lust hatte, Körper oder Geist mehr als nötig zu bewegen – und das, obwohl wir den Probenraum dank eines mobilen Klimagerätes auf verkraftbare Temperaturen heruntergekühlt hatten (ohne dieses Gerät wäre unser Treffen vermutlich nicht möglich gewesen).

Die TOPS im einzelnen:

Verwaltung/Bürokratie

Da wir unser Projekt hier im Blog dokumentieren und daraus zu einem späteren Zeitpunkt die Projektbroschüre erstellen werden, müssen wir die heutzutage üblichen DSGVO1-Bestimmungen (die Staat und EU, wenn’s um die Überwachung der Bürger oder das Aufspüren abweichender politischer Meinungen geht, eher wenig interessieren) einhalten. Das heißt, alle Fotos der Beteiligten erfordern die Zustimmung der Betreffenden zur Veröffentlichung. Wir hatten einen entsprechenden Datenschutzvordruck aus dem Internet kopiert und für unsere Zwecke angepasst; Maximilian Düking und Elias Thai gingen von Teilnehmer zu Teilnehmer und halfen beim Ausfüllen.

Zum Glück waren alle mit dem Vorgang einverstanden, nur unsere offizielle Zuhörerin, Josefine Ritterbach, meldete Bedenken an. Sie war sich nicht sicher, ob die Fotos von ihr ihren Ansprüchen an Ästhetik und elegante Bekleidung entsprechen, zumal sie heute hitzebedingt in einem einfachen grauen T-Shirt erschienen war: „Also, in sowas möchte ich ich auf keinen Fall abgebildet werden!“. Erschwerend hinzu kommt, dass Josefine so gut wie blind ist und daher auf Beschreibungen Dritter angewiesen ist, was Aufnahmen von ihr betrifft. Sie erhielt die Garantie, dass keine ungeeigneten Bilder von ihr verwendet würden (und außerdem im Zweifel jederzeit dank heutiger KI-Bildgenerierung die Bekleidung nachträglich geändert werden könne) und unterschrieb schließlich mit ihrem charakteristischen „JR“-Kürzel.

Namensvergabe für den Hausmeisterhund

Ursula Schmidt-Straer hatte ihren Beagle mitgebracht, einen in die Jahre gekommen, grundsympathischen und sehr ausgeglichenen Vertreter der Gattung Canidae. Grund und Zweck war die allgemeine Auffassung, dass ein Hausmeister auf jeden Fall einen Hund braucht, und um uns von der Fernsehfigur des „Hausmeister Krause“ abzuheben, wollten wir keinen Dackel, sondern einen Beagle haben. Der Hund war die Ruhe selber, verbrachte die ganze Zeit regungslos unter dem Büdchen Johanns und wirkte schon nach fünf Minuten wie ein essentieller Bestandteil der Szene. Er brauchte aber einen Namen, denn erstaunlicherweise hatte er noch keinen. Aus der Reihe der Schülerinnen erscholl ein mehrfaches „OTTO! Der muss Otto heißen!!“, und das fanden alle so gut, dass wir es mit einfacher Mehrheitsentscheidung annahmen und Otto, den das alles komplett gleichgültig ließ, auf der Stelle mit Kümmerling tauften (an dieser Stelle sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass Otto ein Stoffhund ist).

Gemeinsames Rekapitulieren aller Szenen und Übergänge des Stückes

Hausmeister Johann war in seiner Funktion als arbeitsscheuer, dem Zeichnen zugetaner Schöngeist immerhin so weit ins Arbeiten gekommen, dass er die verbliebenen Szenenskizzen fertiggestellt hatte. So konnten wir uns jetzt das gesamte Stück, ohne auf die Details der jeweiligen Szenen einzugehen oder gar sie weiter einzuüben, noch einmal anhand der Skizzen auf der Leinwand anschauen. Das sollte das Gedächtnis auffrischen und auch denjenigen die heute das erste Mal dabei waren – z.B. Margarete Söldner vom Wohnbereich 2 (hatte erst jetzt mitbekommen, dass wir an einem Theaterprojekt arbeiten), Elias Thai (war bisher krankheitsbedingt verhindert) und Miriam (Freundin von Sophia Süßmuth) –  auf den aktuellen Stand bringen. 

Die eigentliche Probenarbeit, so der Konsens, würde dann am nächsten Samstag erfolgen, wenn unsere Regisseurin Annie We wieder an Bord ist. Das war nicht nur aus professioneller Sicht die beste Lösung, sondern in Bezug auf das Wetter eigentlich die einzige Option.

Die Übersicht der Szenenabfolge, deren vorläufiger Stand bereits letzte Woche an dieser Stelle (im Bericht über Labor 3A) veröffentlicht wurde, verlagern wir jetzt auf eine eigene Seite (als Menüpunkt unter „Projekt“), damit sie von überall im Blog zugänglich ist.

Die Jugendlichen

Je weiter das Projekt voranschreitet, umso erfreulicher wird die Beteiligung der jugendlichen Teilnehmer. Auch übrigens die Interaktion und die Verbindung mit und zu den alten Projektteilnehmern. Viele kamen früher, um beim Aufbau zu helfen und blieben länger, bis wir alles wieder auf- und zurückgeräumt hatten.

Das Beste passierte aber zwischendurch bzw. während der gesamten Zeit unseres heutigen Treffens: Unter der Anleitung von Alisa Meierle wurde Hausmeister Johanns Büdchen erstellt! Dabei entpuppte sich Alisa als geschickt planende Designerin, die – unterstützt von Elias – aus einer großen Smart-TV-Verpackung einen komplexen abnehmbaren Küchenwagen-Aufsatz herstellte. Alisa ist damit offiziell unsere Bühnenbild- und Requisite-Verantwortliche.

Fazit:

Wir haben uns auf die bestmögliche Art und Weise durch die doppelte Durstrecke – Hitzewelle und Abwesenheit unserer Regisseurin – geschlagen und funktionieren mit jedem Treffen als Team besser. Die Einzelheiten unseres  Projekts, Requisiten usw., kommen nach und nach zusammen. Begleitend zu den Treffen hört man von den beteiligten Bewohnern viele gute Ideen und Vorschläge zur Ausgestaltung der Szenen und zur Anlage ihres Rollencharakters – die Umsetzung dieser theatralischen Aspekte obliegt dann ab dem nächsten Treffen wieder unserer Profi-Theaterpädagogin Annie We! 

Bereits jetzt stellt sich heraus, wie herausfordernd, interessant und vielfältig ein Projekt ist, bei dem auch nur ganz einfache alltägliche Begebenheiten szenisch dargestellt werden sollen. Das, was letztlich auf der Bühne zu sehen sein wird, erfordert einen Hintergrund an Planung, Proben, Arbeit und Kreativität, der sich gewaschen hat – und das alles für vielleicht 20 oder 30 Minuten tatsächlicher Spielzeit!

Zu guter Letzt haben wir – das ist in diesem Fall die Theaterdirektion – uns auch ein paar Gedanken zum Bühnenbild gemacht. Ob das funktioniert, werden wir im abschließenden Block munseres Projektes,am Donnerstag, 09. Juli, ausprobieren.

  1. Datenschutz-Grundverordnung der EU. Enthält „Vorschriften zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten und zum freien Verkehr solcher Daten.“ ↩︎

Veröffentlicht in Labor