
Labor 1 | 04.06.2026 Teilnehmer
Bewohner & Angehörige: Gertrud van Cleef, Erika Kluth, Roswitha Wimmers, Anneliese Tieves, Annette Temp, Maria Kickert, Karin Peiker, Sabine Graessner, Birgit Hansen, Maria Baum, Ingrid Rapking, Ursula Schmitz-Schraer, Traudel Blasberg, Jutta Krüll, Elisabeth Nickel, Astrid Jäger, Josefine Ritterbach
Schüler: Alisa Meierle, Max Messner, Maximilian Düking, Sophia Süßmuth
Direktion: Annie We, Kay Strathus
Unsere erste echte Probe. Überraschenderweise waren mehr Senioren anwesend als gedacht und weniger Schüler als erwartet. Das lag daran, dass unsere Auftaktveranstaltung am 30. Mai wohl doch eine ganze Menge Leute inspiriert hatte, bei so etwas mal mitzumachen. Neugierde wird auch eine Rolle gespielt haben – es war zu spüren, dass keiner so recht wußte, was ihn/sie erwartete.
Natürlich hat jeder eine Vorstellung von „Theater“, aber selber Theater spielen oder an einem Theaterstück beteiligt sein, ist noch mal eine ganz andere Sache. Auf Seiten der Schüler lasen sich die diversen fantasievollen Absagen („Onkel hat Geburtstag!“, „Habe Schachturnier!“, „Bin im Urlaub!“), warum von den neun Schülern letztlich nur ein paar erscheinen konnten, wie eine moderne Version der „Zehn Kleinen N*gerlein“… „da waren’s nur noch vier!“. Weil aber Feiertag war, ließen wir es für diesmal durchgehen. Ab sofort allerdings, bei den anstehenden insgesamt noch fünf Probenterminen, wird Anwesenheit erwartet (außer bei Schwererkrankung, Tod, Weltkrieg oder Niederlage des DFB-Teams bei der WM).
Dank der Erfahrung und der einfühlsamen und nachvollziehbaren Regie unserer Theaterdirektorin Annie entfaltete sich dann aber alles höchst unterhaltsam und erfreulich. Nach einigen praktisch-technischen Details (u.a. haben wir das Projekt-Blog – also dieses hier – wieder passwortfrei gemacht, weil alle mit der Veröffentlichung ihrer Fotos einverstanden sind) legten wir einen Rahmen fest für unser zukünftiges Stück:

Es spielt in einem bzw. mehreren Reihenhäusern einer Siedlung aus den 1960er Jahren, in dem die verschiedenen Bewohner die üblichen nachbarschaftlichen Reibereien und Gemeinsamkeiten erleben. Gemeinsam überlegten wir uns, welche Personen dabei auftreten und was Konflikt- bzw. Schnittpunkte sein könnten.
Aber wir überlegten nicht bloß, sondern setzten das auch gleich in die Praxis um, nämlich auf der Bühne. Das ist gar nicht so ohne für Menschen, die es nicht gewohnt sind! Wenn man auf der Bühne steht und die ganze Aufmerksamkeit der Zuschauer auf einen gerichtet ist, fühlt und bewegt man sich nämlich ganz anders als wenn man in seinen gewohnten Alltagsinteraktionen steckt, also in diesem Sinne keine Zuschauer hat. Solche Erfahrungen zu machen, damit zu rechnen und damit umzugehen, ist einer der interessanten Lernerfahrungen bei so einem Projekt. Es bewirkt mit der Anzahl der Proben eine zunehmende Sicherheit in Darstellung und Bühnenpräsenz.
Darstellerische Spontaneinsätze
Erfreulich jedenfalls war, dass sowohl von Seiten der alten Teilnehmer wie von Seiten der Schüler zu spontanen freiwilligen Einsätzen kam – sogar die Technik-Crew (Max & Maxi), die sich schon in der sicheren Zone des Hinter-den-Kulissen-Werkelns eingerichtet hatte, wurde anscheinend so angesteckt von der kreativen Atmosphäre, dass sie plötzlich direkt in einer Szene mitmachten 🙂

Schnell waren wir mitten drin in einem echten Theater-Workshop: auch auf Kleinigkeiten wie
- nicht dem Publikum den Rücken zuwendeen
- laut und deutlich redet (extrem wichtig in unserem konkreten Kontext!)
- den Bühnenpartner ausreden lassen usw.
wurde von Annie hingewiesen. Alle hatten das Gefühl, dass wir bei unseren Proben nicht nur etwas einüben und Spaß dabei haben, sondern dabei auch noch eine paar ganz handfeste und praktische Dinge lernen.
Szenenentwicklung
Schließlich kristalliserten sich zwei Szenen heraus, von denen ausgehend wir unser Stück gestalten wollen: ein Streit um Unordnung im Hausflur und Streit über den richtigen Heckenschnitt. Das ist natürlich erst der Anfang! Es können durchaus noch mehr werden…
Wie sich das entwickelt, wird sich zeigen. Für die Übergange zwischen den einzelnen Szenen haben wir verschieden Optionen: Maria Baum kam auf den Gedanken, ein Gedicht (oder Verse daraus) vorzutragen und Max & Maxi können sich vorstellen, als eine Art Pausenclowns kurze Mini-Sketche aufzuführen. Auch der Vorschlag unserer einzigen Angehörigenvertreterin, Astrid Jäger, zwischen den Szenen Nummern-Girls mit großen Schildern über die Bühne hopsen zu lassen, kommt eventuell zum Einsatz; das steht und fällt natürlich mit den richtigen Bikinis, wie aus dem Publikum angemerkt wurde.
Die Bestandsaufnahme nach dem „Labor 1“ erbrachte jedenfalls das nachstehende Gerüst, auf dem wir für die nächsten Treffen aufbauen wollen:
Gerüst & Struktur THEATERPROJEKT
REIHENHAUS – SIEDLUNG
INTRO Figuren Stummfilm
& kurze Begegnung mut Sprache
Support Musik und Bild
SZENEN
BEGEGNUNGEN in Streit und Reibereien
Nachbarn mischen sich ein
1) Krempel im Hauseingang
2) Gemecker an der Hecke
3)
….
VERLAUF
Lösungsversuche & Streitschlichtung
kann auch skurrile, absurde Wendungen haben
z.B. Flaschenpost mit Bierflasche
FINALE
(Grill-)Party zwischen geschittenen schiefen Hecken
Für diejenigen, die’s lieber visuell haben:

Siezen oder Duzen?
Gleich eingangs übrigens wurde darüber abgestimmt, ob wir uns in diesem Projekt alle duzen oder siezen sollten. Gefühlt macht es die Zusammenarbeit und das Vertrauen leichter, wenn man auf „Du“ ist – praktisch ist es enorm schwer, Leute zu duzen, die man schon aus Gewohnheit oder Instinkt zu Siezen gewohnt ist.
Mal abgesehen davon, dass es „Einrichtungspolitik“ ist, alle Bewohner grundsätzlich zu siezen und mit ihren Nachnamen anzusprechen. Für dieses Projekt aber machen wir auf gemeinsamen Beschluß eine Ausnahme (demokratisch und einstimmig so entschieden) und duzen uns alle. Selbst mir (immerhin altersmäßig nicht weit weg von unseren Bewohnern) fällt das gar nicht so einfach. Für die Jugendlichen allerdings stellt das eine echte Herausforderung dar….
Unsere älteste Bewohnerin, Maria Baum, beging ausgerechnet heute auch noch ihren 106. (offiziellen) Geburtstag und schon ihr sagenhaftes Alter gebietet im Grunde eine respekt- und ehrfurchtsvolle Anrede – wenn schon nicht „Euer hochaltrige Gnaden“ oder „Verdiente Urgroßmutter der Einrichtung“, dann wenigstens das schnöde „Sie“. Aber eine Einhundersechsjährige duzen? Das brachte selbst ich nicht auf Anhieb fertig und fragte erstmal vorsichtig bei Frau Baum an, ob sie damit einverstanden sei. War sie natürlich, und so ist sie von jetzt an also „Maria“, während des Theaterprojekts. Außerhalb der Proben bleibt es aber bei der diakonieweiten Anrederegelung!

Wer macht was?
Zu guter Letzt resultierte das heutige Treffen auch noch in der vorläufigen Aufgabeverteilung innerhalb des Projektes. Und die sieht so aus:
Requisite, Kostüme, Maske:
Alisa Meierle, Sophia Süßmuth
Bühnenbild, Technik, Aufbau:
Max Messner, Maximilian Düking
Darsteller:
Alisa Meierle, Sophia Süßmuth, Max Messner, Maximilian Düking, Maria Baum, Ingrid Rapking, Ursula Schmitz-Schraer, Traudel Blasberg, Jutta Krüll, Elisabeth Nickel, Astrid Jäger
Komparsen:
Gertrud van Cleef, Erika Kluth, Roswitha Wimmers, Anneliese Tieves
Zuschauer:
Annette Temp, Maria Kickert, Karin Peiker, Sabine Graessner, Birgit Hansen
Zuhörerin: Josefine Ritterbach
Die Theaterdirektion war sich in der Nachbesprechung des ersten „Labors“ einig, dass wir gerade einen überraschend schönen und erfolgreichen Start in das Projekt erlebt hatten. Darauf wollen und werden wir aufbauen und am Samstag, dem 13. Juni weitermachen, denn wie sagte schon Oscar Wilde: „Ich liebe es, Theater zu spielen. Es ist so viel realistischer als das Leben.“








Nächstes Treffen:
LABOR 2 am Samstag, 13. Juni
