Geschrieben aus der Perspektive von Hausmeister Johann.



Haben wir die Feuertaufe bestanden oder nicht? Diese Frage stellt sich einem verdutzten Hausmeister Johann, der – weitgehend von seinem Büdchen aus – das Geschehen auf der Bühne und im Zuschauerraum beobachtete.
Zunächst mal hatten wir es diesmal mit ganz anderen Räumlichkeiten zu tun, nämlich mit dem Hauptbereich des Cafés, was einen ziemlich aufwändigen Umbau erforderte und natürlich für uns komplett neu war, da wir bis jetzt immer nur im kleinen Raum geprobt hatten.
Die Temperaturen waren einigermaßen erträglich, und wir sorgten für Abkühlung durch den Einsatz unseres mobilen Klimageräts (während der Aufführung selbst schalteten wir es ab, weil es doch ziemlich laut ist und die ohnehin schwierige Akustiksituation noch kompliziert hätte).
Der zweite im Vergleich zu den bisherigen Proben komplett unterschiedliche Aspekt war das Spielen vor Publikum. Etwa 20 oder 25 Bewohner und einige Gäste waren gekommen, um unserer Generalprobe beizuwohnen.
Wer gedacht hatte, dass eine Generalprobe einfach ein 1-zu-1 Vorab-Durchlauf eines Stückes ist, sah sich getäuscht, denn unsere Chefregisseurin Annie ließ zuerst mal Szene drei und Szene sechs, jedenfalls Teile davon, spielen – und sorgte somit zumindest bei dem armen Hausmeister Johann für erste Verwirrung.
Dann folgte ein Glitch dem anderen:
- Es war nicht ganz klar, ob unsere beiden Motto-Aufsagerinnen Maria Baum und Magdalene Söldner bereits zu Beginn am Eingang sitzen sollten oder in der ersten Reihe des Publikumsraumes.
- Bei der Szene „Lenchen und Johann halten Verzell am Büdchen“ kam plötzlich Johanna als erste auf die Bühne und und brachte den geplanten Ablauf durcheinander. Lenchen und Johann sprachen teilweise wieder zu leise und mussten mit jedem neuen Anlauf um einen Meter weiter nach vorne positioniert werden, damit das Publikum eine Chance hatte, sie zu verstehen.
- Zwischendurch fiel im Hintergrund irgendetwas zu Boden, was erstens ziemlichen Krach machte und zweitens Elias dazu veranlasste, quer durch den Zuschauerraum zu sprinten, um irgendeine Art von Lappen zu besorgen, damit er das Malheur aufwischen konnte.
- Dann war bei der Schlusszene die Musik zu zu leise: Johann hatte nämlich bei der Eingangsmusik (die so laut war, dass ihm vor Schreck beinah der Hut weggeflogen wäre) die General-Lautstärke der Lautsprecherbox um beinah die Hälfte reduziert und vergaß dann, die Standardregelung wieder einzustellen, so dass bei der Abschlusszene der Beatles Song „Birthday“ nicht auf die optimale Lautstärke hochgefahren werden konnte. Zudem wirkte der “Einmarsch der Gladiatoren“, also das abschließende Versammeln aller Darsteller auf der Bühne, irgendwie konfus, manchmal zu schnell, manchmal zu langsam und insgesamt reichlich unkoordiniert.
- Bei der Titanic-Romantik-Szene fing „Oma Rose“ plötzlich an, von ihrer Reise auf der Titanic mit Jack zu erzählen, als ob sie 1912 beim Untergang der Titanic dabei gewesen wäre, so dass sich der jetzt vollends verwirrte Johann in seinem Büdchen fragte, wie sie das denn überleben konnte und wie alt sie jetzt sein müsse…
- Zu guter Letzt vergaß Johann auch noch, den Grill hervor zu holen und die Leute mit „Bratwürsten“ zu versorgen, so dass alle laut „DER GRILL!! DER GRILL!!“ rufen mussten, um ihn daran zu erinnern
Kurzum: es war ein rechtes Desaster und machte insgesamt einen äußerst zerfahrenen und diffusen Eindruck!
Aber machte es das wirklich?
Das war die Frage, die die beiden Direktoren sich hinterher stellten. Annie verneinte es entschieden und wies daraufhin, dass die neuen Räumlichkeiten, das Spielen vor Publikum für einige Nervosität gesorgt hatte, dass insgesamt aber die Sache einigermaßen rund und keineswegs zerfahren oder abgehackt wirkte.
Immerhin machen wir ja für all diese Erfahrungen so eine Generalprobe. Auch morgen bei der Aufführung werden sicherlich noch einige Fehler und Hänger vorkommen. Aber dadurch, dass wir jetzt in den neuen Räumlichkeiten wenigstens einmal schon das Stück spielen konnten, haben wir eine gute Basis, um die Aufführung morgen glatt über die Bühne laufen zu lassen.
Die widersprüchlichen Eindrücke, die unser geplagter Hausmeister von dieser Generalprobe zunächst einmal unter seinen Hut bringen musste, glätteten sich auf einmal und glichen sich aus wie ein Waage in Balance, als es ihm wie Schuppen von den Haaren fiel, was er neben den negativen Sachen, die sich zunächst in den Vordergrund gedrängt hatten, alles an positiven Elementen wahrgenommen hatte:
- Die “Mädels unter sich“ boten nicht nur eine passable, sondern eine hervorragende Darstellung, sprachen laut und waren als Vierer-Team eine Klasse für sich.
- Und die Nummern-Boys „Max und Moritz“ hatten ihre Rolle so kreativ angepasst, dass nichts mehr von „ Wir sind zu doof, um uns einen Satz zu merken“ übrig blieb, sondern die beiden tatsächlich wie zwei coole, aber nicht gerade lernbeflissene Teenager wirkten, die gemeinsam versuchen, sich zu erinnern, was das für ein Satz war, den sie aufsagen sollte.
- Sie strahlten – ebenso wie die „Mädels“ – Souveränität und Witz aus; gelegentliche Übertreibungen bei der Betonung und dem allzu braven Inhalt ihrer Texte (Teenager sind keine Vorschulkinder, die man mit einem Eis zum Hecke schneiden motivieren kann – die wollen natürlich Geld sehen, oder andere substantielle Belohnungen) wurden von Annie on the spot aufgegriffen und in die richtige Bahn gelenkt.
- Überhaupt war Annies Regieführung zielgerichtet und intensiv und bewirkt hoffentlich ein einigermaßen ruckelfreies Spiel bei der Aufführung morgen.
- Auch Elias war wieder eine „Bank“; ein Darsteller und Hinter-den-Kulissen-Akteur, der mit seinen diversen Aufgaben gut zurechtkam und ein waches Auge für Ablauf und Situationserfordernisse hatte.
Fotos gibt’s wenige von heute, da wir alle mit Generalprobe beschäftigt waren und auf der Bühne waren. Max machte einen Versuch, das ganze zu filmen, aber erstens war unser improvisiertes Stativ zu wackelig und belegte einen Platz in der ersten Reihe, den immer wieder Besucher besetzen wollten und zweitens verlor sein Handy auf halber Strecke die Ladung, so dass die Sache mit der Filmaufzeichnung (jedenfalls heute) ins Wasser fiel.
Die Rückmeldungen von den Bewohnern waren übrigens durchweg eher positiv. Ihnen war klar, dass sie ein „work in progress“ sahen und dass dies nicht das fertige Stück war. WAS sie sahen, gefiel Ihnen (soweit sie es akustisch verstanden) recht gut und sie werden morgen mit Sicherheit alle wieder dabei sein.
Hier ein paar Eindrücke vom heutigen Set-up. Zum Glück können wir alles bis morgen so stehen lassen.





