Labor 3c: Mit Riesenschritten in Richtung Aufführung

Der Wetterbericht:
Mit 27 °C war es zwar um 10° kühler als im letzten Samstag, aber dennoch ein warmer Sommertag, so dass wir die meiste Zeit unsere Kältemaschine laufen ließen.

In einer Woche, am Tag der Uraufführung, werden die Temperaturen wieder deutlich über 30° klettern. Wir denken lieber nicht darüber nach, was das bedeutet und wie wir das in einem mit Publikum angefüllten Saal überstehen. Immerhin erzählt unser Stück ja von Begebenheiten in der Siedlung mitten im Sommer und nicht im Winter.

Probenablauf:
Heute war Annie wieder dabei, und damit war eine straffere, professionelle Regie gewährleistet. Oder, um es mal WM-gemäß im Fußballjargon auszudrücken: was sich unter Interimsregisseur Kay Strathus mit ein paar Aufwärm- und Lockerungsübungen zu zwei entspannten Trainingseinheiten gestaltet hatte, geriet unter Chefcoach Annie We schnell wieder zum Profi-Programm mit Waldlauf, Medizinbällen und taktischen 1-zu-1 Pressing- und Defensivübungen.

Und das tat dem Team gut! Wir gingen diesmal fast das gesamte Stück vom Intro bis zur Szene 5 durch (weiter kamen wir nicht, obwohl wir schon reichlich die veranschlagte Probendauer überzogen). Annie begutachtete die Szenen und unterbrach, wenn etwas nicht stimmig war, um das Beste aus den Darstellern herauszuholen.

Maria Baum erhielt „Geleitschutz“ bei ihrem Weg auf die Bühne, wo sie ihren Eingangssatz, das Schillerzitat vom bösen Nachbarn, rezitierte. Schon aus Gründen der Trittsicherheit bzw. Sturzgefahr wurde beschlossen, dass Elias Thai sowohl Maria Baum wie Magdalene Söldner bei ihren Eingangs- und Ausgangssätzen auf die Bühne begleitet. Auch Letztere hatte Gelegenheit, den Schlusssatz – die chinesische Weisheit vom nahen Nachbarn und den fernen Verwandten – zu deklamieren. Ehemalige Berufsschullehrerin die sie ist, sprach sie klar und hörbar und schmückte den Satz sogar noch ein bisschen aus.

Die schwierigste und gleichzeitig schönste Szene ist sicherlich die „Mädels unter sich“-Szene, wo Oma Rose, nach dem Anblick der jungen Mädchen vor dem Spiegel, sentimentale Reminiszenzen vergangener Zeiten heraufbeschwört. „Romantische Szenen und Stimmungen müssen langsam gespielt werden! Sie brauchen mehr Zeit als andere!“ erklärte uns Annie.  

Ursula Schmitz-Straer konnte sich unter Annies Regie gut in die besondere Stimmung der Situation hineindenken und brachte ohne viele Worte eine schöne, von der passenden Musik unterstützte romantische Erinnerungsszene auf die Bühne, die der Gänsehautgrenze nahe kam.

Ähnlich gingen wir bei den anderen Szenen vor. Die Darsteller wurden von Annie gleichzeitig zielgerichtet und behutsam dazu gebracht, ihre Figur und ihre Rolle so zu spielen, wie es eine Aufführung vor Zuschauern braucht.

Die Schwierigkeit, die wir dabei alle haben – und zwar egal, ob alt oder jung  – ist erstens die der Lautstärke und zweitens das langsame Sprechen.

Was das ausreden lassen bzw. das Nicht-durcheinanderquatschen betrifft, hatten wir uns im Vergleich zu den letzten Malen schon stark verbessert. 

In den jetzt noch anstehenden zwei Proben werden wir noch an unserer Intonation und unserem Volumen arbeiten – „Stellt euch vor, ihr müsst so laut rufen, dass jemand, der da drüben auf dem Balkon steht, euch hören kann!“ lautete Annies bildhafte Anweisung dazu, wobei sie auf die Gebäude gegenüber zeigte.

Dat Büdchen
Der von unserer Bühnebildverantwortlichen Alisa Meierle zusammengebastelte Pappaufsatz für den Küchenwagen – unser „Büdchen“ – weist bei näherer Betrachtung und im wiederholten Einsatz ein paar Schwachstellen auf, die es noch zu verbessern gilt: insbesondere die rückwärtigen Stützen müssen unbedingt verstärkt werden, wenn das Büdchen nicht irgendwann über Hausmeister Johann zusammenbrechen soll. Das kann keiner wollen.

Außerdem muss es seinen Karton-Look loswerden. Zu diesem Zweck soll es mit einer Spraydose eingefärbt werden. Eine kurze Befragung ergab, dass Dunkelgrün eine sehr hausmeisterliche und büdchenhafte Farbgebung sei, und es wurde beschlossen, am kommenden Donnerstag die notwendigen Maßnahmen durchzuführen.

Außerdem fehlt noch einiges von den benötigten Requisiten, die alle noch bis zum abschließenden „Labor“ und rechtzeitig zur Aufführung beschafft werden müssen, darunter so wesentliche Dinge wie die verschiedenen Getränke, die am Büdchen verkauft werden, ein geeignetes Kopftuch für Johanna, ein Retro-Netzeinkaufsbeutel, ein Gehstock und ein passendes Hütchen für Lenchen usw.

Welches Hütchen darf‘s denn sein? Lenchen im Entscheidungsdilemma.

Und: wir haben uns auf einen Namen für die Straße geeinigt, in der unsere Siedlung liegt: Diakoniestraße wird sie heißen („Stiftstraße“ erschien uns zu schwer auszusprechen).

Fazit:
Wir haben mit dem abschließenden Labor 3 einen Riesenschritt in Richtung Aufführung getan. Bis auf die letzten beiden Szenen haben wir alle live durchgespielt und arbeiten an der Optimierung. Der Ablauf hat sich den Teilnehmern inzwischen ziemlich gut eingeprägt. Wir haben festgestellt, welche Requisiten noch fehlen und welche noch erstellt oder verbessert werden müssen. Leider hat sich das „Projekt Haken-Spanndraht-Theatervorhang“ nicht so realisiert, wie wir es uns vorgestellt hatten. Vor allen Dingen aus dem Grund, dass wir in den Räumlichkeiten des Cafés nicht in die Wände oder Decken bohren dürfen. Ob und wie wir jetzt überhaupt einen Vorhang haben werden, steht in den Sternen, und die sind ziemlich weit entfernt.

Es ist festzustellen, dass die Projektbeteiligten zu einer netten kleinen Truppe, einem guten Team, zusammengewachsen sind. Obwohl von den Bewohnern inklusive Service Wohnen „nur“ vier mitmachen, auf Schülerseite ebenfalls vier oder fünf, plus Astrid Jäger als Angehörigenvertreterin und Co-Direktor Kay Strathus als Hausmeister, sind jedesmal zehn bis fünfzehn weitere Bewohner dabei – offiziell als Statisten, vor allem aber als gleichwertige Teilnehmer unseres Bühnenstückes. Für beide Seiten, jung und alt, ist es eine schöne und wertvolle Erfahrung, das entgegengesetzte Ende der Alterspyramide einmal live und in Aktion zu sehen – und dabei allerlei vorgefasste Meinungen, vielleicht auch Vorurteile, ad acta legen zu können.

Ein paar Eindrücke vom „Labor 3c“:

Veröffentlicht in Labor